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Rum probiert

Rum oder Cachaça: Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Alles Rum, oder was? Wer Cachaça für eine Art von Rum hält, liegt nicht ganz richtig. Cachaça ist ein eigenständiger Zuckerrohrbrand aus Brasilien, der aus frischem Zuckerrohrsaft entsteht. Rum wird dagegen meist aus Melasse gebrannt. Zwischen den beiden Spirituosen gibt es neun Unterschiede, die Charakter, Geschichte und vor allem Geschmack prägen.

Cachaça und Rum: weniger Gemeinsamkeiten als gedacht

Es beginnt bereits beim Namen. Während „Rum“ leicht über die Lippen geht, muss sich der Cachaça zahlreiche Abwandlungen seines Namens gefallen lassen. Für das portugiesische Wort gibt es eine richtige Aussprache, die sich am ehesten als „Kaschassa“ umschreiben lässt.

Im deutschsprachigen Raum bereitet schon die Aussprache Schwierigkeiten. Im Herkunftsland Brasilien kennt man dagegen zahlreiche Spitznamen für das hochprozentige Getränk. Schätzungen gehen von rund 500 Bezeichnungen aus. Dazu gehören Herzöffner („abre coração“), Augenwäsche („limpa olho“) und Tiger-Atem („bafo de tigre“).

Inwieweit diese Namen auf persönliche Erfahrungen der Brasilianer zurückgehen, bleibt der Fantasie überlassen. Fest steht, dass Cachaça zum Nationalstolz Brasiliens gehört wie Samba oder Fußball.

Hier zeigt sich eine Ähnlichkeit zum Rum: Auch er stammt aus Lateinamerika und der Karibik. Beide sind Destillate, die aus Zuckerrohr gewonnen werden. Diese Ähnlichkeit führt immer wieder zu Verwechslungen. In den USA wurde Cachaça bis April 2013 als Rum eingestuft, seitdem gilt er dort als Rumtyp und eigenständiges Erzeugnis Brasiliens.

Neben dem Rohstoff Zuckerrohr und der ähnlichen geografischen Lage erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten jedoch schnell. Ist Cachaça also Rum? Nach europäischem Verständnis nicht, denn Rohstoff, Herkunft und Regeln unterscheiden sich. Rum und Cachaça wirken eher wie zwei charakterstarke Halbgeschwister mit verschiedenen Lebensgeschichten.

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Cachaça vs. Rum: die neun wichtigsten Unterschiede

1. Herkunft – halb Lateinamerika versus Brasilien

Die Heimatländer beider Spirituosen liegen relativ nahe beieinander, sind aber nicht identisch. Cachaça gilt rechtlich als Spirituose Brasiliens und darf nur dort hergestellt werden. Rum wird dagegen in zahlreichen Ländern Süd- und Mittelamerikas sowie auf den karibischen Inseln produziert. Auch innerhalb der geschützten Herkunftsbezeichnung unterscheiden sich Cachaças deutlich in ihrer Qualität.

2. Rohstoffe – Melasse versus frischer Saft

Der wohl bedeutendste Unterschied liegt in den Ausgangsstoffen. Zwar werden Rum und Cachaça aus Zuckerrohr gewonnen. Für Cachaça dient jedoch frischer Zuckerrohrsaft, vor Ort Garapa genannt, der zügig nach der Ernte vergoren wird. Deshalb gilt der Brasilianer als frisch und ursprünglich. Rum entsteht dagegen in den meisten Fällen aus Melasse. Melasse ist der zähe, dunkle Sirup, der bei der Zuckerherstellung nach dem Auskristallisieren des Zuckers übrig bleibt.

Eine interessante Ausnahme ist der Rum von französischen Inseln wie La Réunion, Martinique, Marie-Galante oder Guadeloupe. Dieser sogenannte Rhum agricole steht dem brasilianischen Zuckerrohrbrand näher als klassischer Melasse-Rum. Der Grund: Auch Rhum agricole wird aus frischem Zuckerrohrsaft gewonnen. Verschiedene Ausgangsstoffe und Verarbeitungsmethoden bringen eben verschiedene Erzeugnisse hervor.

3. Alkoholgehalt – offene Obergrenze versus feste Spanne

Beim Alkoholgehalt gelten für beide Spirituosen klare Regeln. In Brasilien muss Cachaça zwischen 38 und 48 % vol haben. Hierzulande sind vor allem Abfüllungen mit 42 % vol und weniger anzutreffen. Für Rum gilt in der EU ein Mindestalkoholgehalt von 37,5 % vol, eine Höchstgrenze für den fertigen Rum ist nicht festgelegt. Starke Abfüllungen mit 60 % vol und mehr sind daher möglich und sollten besonders maßvoll genossen werden.

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4. Anwendungsgebiete – vielseitiger Rum versus Caipirinha

Zahlreiche Cocktails, Longdrinks mit Cola oder Fruchtsaft oder pur: Rum lässt sich vielseitig genießen. Cachaça kennt man hierzulande vor allem aus der Caipirinha. In Brasilien ist die Auswahl größer. Dazu gehören neben der bekannten Batida etwa Jaguar Milk, Rabo de Galo, Hot Stuff oder Caju Amigo.

5. Ursprung – 17. Jahrhundert versus 16. Jahrhundert

Auch das Alter beider Spirituosen unterscheidet sich. Cachaça entstand wahrscheinlich im 16. Jahrhundert in Brasilien, Ort und Zeitpunkt sind aber nicht abschließend geklärt. Einer verbreiteten Überlieferung nach liegen die Wurzeln um 1532 in São Vicente, wo damals erste Zuckermühlen entstanden. Rum entstand im 17. Jahrhundert in der Karibik als Nebenprodukt der Zuckerindustrie, Barbados gilt als wichtiger früher Herstellungsort.

6. Reifung – Eichenfässer versus brasilianische Hölzer

Nach dem Brennen reifen bessere Cachaças mehrere Monate oder Jahre im Holzfass. Einfachere Varianten kommen ungelagert und klar in den Handel, sind deshalb aber kein weißer Rum. Neben Eiche werden zahlreiche brasilianische Hölzer genutzt, etwa Amburana, Jequitibá, Bálsamo, Araruva, Grápia und Ipê, teils ist von über 20 Holzarten die Rede. Bei Rum ist Eiche die verbreitete, traditionelle Fassart. Da das Holz den Geschmack stark beeinflusst, entstehen so verschiedenartige Erzeugnisse.

Schon vor der Lagerung schlagen die beiden Destillate verschiedene Wege ein. Deutliche Abweichungen zeigen sich bereits bei der Fermentation, also der Gärung, bei der Hefen Zucker in Alkohol umwandeln.

Viele Cachaça-Hersteller setzen zu Beginn der Gärung traditionelle Starter ein, etwa aus Kleie, Mehl, Zuckerrohrsaft und Maisstärke. Beim Rum ist das unüblich. Manche Rumsorten werden mit Industriehefe fermentiert. Viele Hersteller legen aber großen Wert auf eigene, teils über Generationen gepflegte Hefestämme.

7. Zuckerzusatz – begrenzt versus deutlich mehr erlaubt

Auch beim Zucker gelten unterschiedliche Regeln. Nach brasilianischem Recht darf Cachaça bis zu 30 Gramm Zucker je Liter enthalten. Liegt der Gehalt über 6 g/L, ist die Kennzeichnung „adoçada“ (gesüßt) vorgeschrieben. Rum darf in der EU nur zum Abrunden des Geschmacks gesüßt werden, höchstens mit 20 g je Liter, Aromen und zugesetzter Alkohol sind verboten.

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8. Geschmack – süßlich versus erdig

Diese Unterschiede wirken sich deutlich auf den Geschmack aus. Das süßliche Aroma vieler Rums mit karamelligen Anklängen geht auf die Melasse zurück. Cachaça zeigt dagegen eine kernigere Note. Der frische Zuckerrohrsaft sorgt für einen trockenen, würzigen und leicht fruchtigen Charakter.

9. Image – Genussrum versus Cocktailzutat

Sowohl in Brasilien als auch in der restlichen Welt weichen die beiden vermeintlich so ähnlichen Spirituosen stark in ihrem Image voneinander ab. In seinem Herkunftsland gilt Cachaça als erste Wahl, wenn es um den guten günstigen Rausch geht. Da er international hauptsächlich in Cocktails, allen voran dem Caipi, serviert wird und pur für die meisten Gaumen nur schwer mit seinem Aroma punkten kann, hat der Brasilianer nicht das Renommee der ersten Genießer-Riege, wie es zweifelsohne jedem guten Rum mit seiner feinen Süße eigen ist. Das wiederum bedeutet allerdings nicht, dass im Handel nicht auch echte Gourmet-Cachaças zu finden sind, die die Feinschmecker-Regale ebenso bereichern wie ein edler Rum.

Fazit: Cachaça ist kein brasilianischer Rum

Genau betrachtet sind Rum und Cachaça ungleiche Brüder. Beide stammen aus Zuckerrohr, doch Rohstoff, Herkunft, Reifung und Regeln unterscheiden sich deutlich. Jede Spirituose hat einen eigenen Charakter, der sich bei maßvollem Genuss gut entdecken lässt.

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